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Was ist Rollkur ?
Was ist Rollkur/Hyperlfexion ?

Hier schon ein Einblick was es bedeutet !


Mit dem Begriff Rollkur wird beim Dressurreiten eine Trainingsmethode bezeichnet, die durch ein gewolltes Herabziehen des Pferdekopfes mit Hilfe der Zügel in Richtung Brust gekennzeichnet ist. Hierbei wirkt der Reiter derart stark auf die Zügel ein, dass er sein Pferd zum Senken des Kopfes und Einrollen des Halses zwingt. Je nachdem, wie stark der Druck auf die Zügel ist, „beißt“ sich das Pferd in die Brust.

Der Begriff wurde durch den Artikel ROLL-KUR in der Zeitschrift St. Georg (Ausgabe 11/1992) geprägt, in dem Heinz Meyer den Umgang insbesondere der international erfolgreichen Reiter auf dem Abreiteplatz, aber auch die Untätigkeit der Kampfrichter und der FEI kritisierte. Blieb dieser Artikel bei Turnierreitern weitgehend unbeachtet, so erlangte Gabriele Pochammers scharfer Angriff der niederländischen Reiter in einem weiteren St. Georg Artikel 2005 große internationale Beachtung, da hierin eine deutsche Journalistin unmittelbar vor den Europameisterschaften die schärfste Konkurrenz angriff. Durch diesen Artikel fand der Begriff Rollkur Eingang in das internationale Fachvokabular.


Ursprung der Diskussion 

Nachdem Kritiker diese Trainingsmethode als Irrweg und sogar als Quälerei bezeichneten, weil es zu Verletzungen des Pferdes kommen könne, führte die Internationale Reitervereinigung FEI im Januar 2006 einen Expertenanhörung durch. Dort kam man zu dem vorläufigen Schluss, dass es keine wissenschaftliche Hinweise dafür gebe, dass die Methode bei Verwendung durch geschulte Trainer schädlich sei, doch könne die Technik schädlich für das Pferd sein, wenn sie von unerfahrenen Reitern angewendet werde.


Rollkur und Hyperflexion

Da das deutsche Wort "Rollkur" auch auf internationaler Ebene in der Diskussion verwendet wurde, entstand auf der Tagung der Vorschlag, die Methode verständlicher zu benennen als "Hyperflexion of the neck", übersetzt: "Überdehnung des Halses". Was damit gemeint ist, wurde definiert als "Hyperflexion des Halses ist eine Ausbildungsmethode, um einen Grad von Längsbiegung im mittleren Halsbereich zu erreichen. Hyperflexion kann von einem Pferd über einen längeren Zeitraum aber nicht gehalten werden."

Der Namensteil Flexion soll dabei eine Verwandtschaft zur Methode Francois Bauchers, die heute noch vom Cadre Noir angewandt wird, andeuten. Während Baucher eine starke Dehnung des Halses zur Seite erreichen möchte, um darüber die Beweglichkeit des Pferdes für alle Seitengänge und Wendungen zu fördern, lehnt er die Dehnung nach unten vollständig ab.

Aus der Sicht der Gegner der Methode trifft die Definition des FN-Tierarztes Dr. Düe den Sachverhalt besser: "Hyperflexion ist die exzessive Beugung eines oder mehrerer Gelenke, die dazu geeignet ist, Verletzungen herbeizuführen".

Kritik an der Rollkur 

Die Verletzungsgefahr entsteht, weil die Ganaschen eingeengt werden, so genannte Genickbeulen entstehen, die Vorderhand vermehrt belastet wird, eine Überdehnung des Halsmuskels entsteht etc.

Von Kritikern werden folgende Dinge bemängelt:

  • der Reiter missbraucht seine Zügelhilfen, indem er derart stark auf sie (meist durch Ziehen) einwirkt, dass der Pferdekopf heruntergezogen wird

Als Folge dessen werden Sperrriemen immer enger verschnallt, damit die Pferde ihre Mäuler nicht öffnen können um sich dem Druck des Gebisses zu entziehen und dadurch bleibt ihnen nur die Flucht nach unten.

  • neben Schmerzen im Maul verhärten sich die einzelnen Muskelpartien, anstatt locker zu werden; der komplette Halsbereich wird überdehnt, der Rücken wird verhärtet
  • die Hinterhand gerät immer höher, anstatt sich zu setzen
  • das Motto "ist der Schädel unten, ist der Gaul locker" wird von vielen (unerfahrenen) Reitern gelebt- die Rollkur wird als Dehnung/ Biegung interpretiert
  • der Reiter presst sein Pferd in eine extrem unnatürliche Haltung, die gesundheitliche Schäden hervorruft
  • neben Genickbeulen können anatomische Probleme beim Pferd entstehen
  • der Orientierungssinn wird sehr stark in Mitleidenschaft gezogen; das Pferd kann nicht nach vorne schauen und läuft fast blind durch die Gegend

Die Kritiker sehen in der Methode eine Geringschätzung der Pferde als reine Sportgeräte, denen die nötige Zeit für eine fundierte Ausbildung nicht mehr zugestanden wird. Die Rollkur (Hyperflexion) wird auch zur Unterdrückung des Pferdes verwendet, damit sich das Tier sich bedingungslos unterwirft. Wenn die Zeit zur Ausbildung fehlt, wird durch das Verspannen der Pferde mittels einer Zwangshaltung (entweder extreme Aufrichtung oder "Brustbeissen") zu einer scheinbaren Turnierreife verholfen. Leider wird es heute im Spitzensport so erfolgreich angewendet, dass die Rollkur mittlerweile Gesellschaftsfähig und zu einer "bewährten" Ausbildungsmethode geworden ist. Propellerschweife, ein offenes Maul, verspannte Tritte oder passartiger Schritt usw. mit einem Kopf deutlich hinter der Senkrechten zeigen die fehlerhafte Ausbildung auf. Bei Reitern auf Kandare sieht man oft die Hebel stark angezogen, um die Pferde in die Zwangshaltung zu pressen. Es werden auch Schlaufzügel dafür verwendet. Leider ist die Hyperfexion nicht nur im klassischen Reitsport verbreitet, sondern hat auch den Weg in die alternativen Reitweisen wie z. B. Westernreiten Einzug gehalten. Wichtig ist nur die Unterscheidung zwischen einem lockerem und unverkrampften Vorwärts-Abwärts-Laufen der Pferde, welches sich positiv auf die Hals-, Rücken- und Bauchmuskulatur auswirkt. Im Gegensatz zur Hyperflexion sehen solche Pferde zufrieden aus.

 

Positionenstreit 

Die Methode der Rollkur drängt klassische Merk- und Grundsätze des Dressurreitens wie

  • das Genick ist der höchste Punkt des Pferdes,
  • der Schwung soll von hinten nach vorne gehen,
  • die Zügel sollten nicht als "Lenkrad" oder dergleichen missbraucht werden,
  • Dressurreiten soll Harmonie und Leichtigkeit sein, ein Zusammenspiel zwischen Pferd und Mensch

in den Hintergrund.

Während die Befürworter der Methode darin eine moderne Weiterentwicklung des klassischen Dressurreitens sehen, verteidigen die Gegner diese Grundsätze, für die sie weiterhin Gültigkeit beanspruchen. Während die (vorwiegend deutschen) Kritiker für ihre Argumente das Wohl und die natürliche Anlage des Pferdes behaupten, sehen manche internationale Beobachter in der Kritik einen Abwehrreflex der traditionsverhafteten (und lange Jahre erfolgsverwöhnten) deutschen Reitschule gegenüber angeblichen erfolgreichen Innovationen aus dem Ausland.

Historisch ist zu dem Streit anzumerken, dass praktisch jegliches mögliche Verfahren zur Pferdeausbildung schon einmal ausprobiert worden sein dürfte (mehrere Millionen ausgebildete Pferde über eine Zeitraum von ca. 2500-3000 Jahren), aber viel einfach in Vergessenheit geraten ist, nachdem es sich über längere Zeiträume betrachtet, als schädlich erwiesen hat. Dieselben Ansätze finden daher in zyklischen Abständen immer wieder Anwendung und werden zur "Mode".

 

 
 
 
 
 
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